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Marketing mit Kopf und Herz
Datum: 08. Juli 2010
Bericht von: MC OWL Bielefeld

(Bielefeld/Detmold, 05. Juli 2010). Bereits in fünfter Generation ist die Privat-Brauerei Strate in Detmold in Familienbesitz. Heute stehen drei Frauen dafür ein, dass sich das Traditionsunternehmen in einem hart umkämpften Markt behauptet. Ihr Erfolgsgeheimnis: Die Nähe zu Kunden und Region sowie ein Verkaufsradius von „150 Kilometern um die Braupfanne“. Bei „Marketing vor Ort“ erlebten Mitglieder und Gäste des Marketing-Clubs OWL Bielefeld, aus welch gutem Grund der „Bier Report“ der Wochenzeitung „Die Welt“ die lippische Privat-Brauerei einst als „schönste und fröhlichste Brauerei Deutschlands“ bezeichnet hat.
Seit dem Tod ihres Vaters Friedrich vor 16 Jahren führen die Töchter Friederike und Simone die Privatbrauerei Strate gemeinsam mit ihrer Mutter Renate weiter. Die Kompetenzen der drei sind klar umrissen und dem geschuldet „was jede am besten kann“: Friederike Strate ist zuständig für Marketing, Verkauf und den Geschmack der Biere. Schwester Simone kümmert sich um Finanzen, Einkauf, Immobilien und Investitionen. Mutter Renate ist Impulsgeberin, Strategin und Hüterin der Gartenzimmer – repräsentative Parkanlagen umschließen das mächtige Backstein-Herrenhaus von 1863, in dem die Privat-Brauerei Strate residiert.
„Unter der Lippischen Rose liegt der Lagerkeller“, deutet die Senior-Chefin auf ein gelb-rot blühendes Beet. Weil Strate „keine Bierfabrik werden“, sondern „die kleine, feine Privat-Brauerei bleiben“ möchte, wurde der neogotische Bau in den letzten Jahren zweigeschossig unterkellert. Die Wohnräume und der Betrieb liegen Tür an Tür. Hier hat Friederike Strate mit 15 Jahren als einziges Mädchen eine Lehre als „Brauer und Mälzer“ begonnen. Mit 19 war sie Deutschlands jüngste Braumeisterin – während der Führung schläft ihre kleine Tochter im Obergeschoss.
Bis 1995 wurde an der Palaisstraße ausschließlich Detmolder Pilsener produziert. Unter den Strate-Schwestern umfasst das Portfolio heute elf Biersorten vom Landbier und Weizen bis zum Cola-Bier-Mix „Moon“ und dem heiß zu trinkenden „Glühbier“ – bestehend aus Pils, Sauerkirschfruchtsaft, Zimt, Nelken und Vitamin C. „Alkoholfrei“ kreierte Frederike Strate „unter dem Leidensdruck der eigenen Schwangerschaft“. Mit dem Start des Ausstellungsdreiklangs „Imperium – Konflikt – Mythos, 2000 Jahre Varus-Schlacht“ kam im Mai 2009 „Thusnelda“ dazu. Die Ehefrau von Arminius gab ihren Namen für ein kühles, rotblondes Bier, dem der bekannte Karikaturist Harald Klavinius ein freches Etikett auf die Flasche malte.
Erhältlich ist „Detmolder“ weniger in der Gastronomie, denn in über 1.000 Getränkemärkten im Umkreis von 120 Kilometern. „Hier ist uns der Bekanntheitsgrad unserer Familie und unserer Produkte sicher“, sagt Simone Strate. „Jeder Kilometer, der darüber hinaus geht, ist rausgeschmissenes Geld.“ In der Konsequenz kann das Unternehmen auf teure TV- oder Großflächenwerbung verzichten. „Wir vergrößern unseren Kundenkreis ausschließlich über persönliche Beziehungen.“ Selbstredend wird jeder einzelne Brauereibesucher per Handschlag begrüßt.
Laut „Bier Report“ gehört Strate heute zu den 32 größten unabhängigen Brauereien in Familienbesitz und ist der zweitgrößte „Bügelverschlussabfüller“. Seit die „Unternehmerinnen des Jahres 2009“ die Richtung vorgeben, hat sich der Bierausstoß verfünfzehnfacht. 40 Millionen Bügelverschlussflaschen verlassen jährlich die Brauerei. „Bei 40 Millionen Detmolder-Etiketten pro Jahr haben wir eine Verpflichtung für diese Stadt“, sagt Friederike Strate. Die Familie hat sich als großer Sport-, Kultur- und Sozial-Sponsor einen Namen gemacht: 800 Vereine können auf die Brauerei zählen.
Vor zwei Jahren stellte der Betrieb fast vollständig auf lokale Zulieferer um. Früher schenkte man Großkunden zu Weihnachten Nürnberger-Lebkuchen. Heute freuen sie sich über eine „Lippische Schnucker-Rose“, einem Glühbierstollen aus heimischen Zutaten, gebacken in Lemgo. Der Biersenf kommt aus Hövelhof, den Biertreber genießt das Vieh auf rund 40 Bauernhöfen der Region. Sogar die Braugerste wurde versuchsweise in Lippe angebaut.
Ein zentrales Prinzip des Vaters respektieren die Töchter bis heute: „Was der Betrieb erwirtschaftet, muss wieder in den Betrieb gesteckt werden.“ Nie habe die Familie einen Kredit aufgenommen: „Wir müssen uns für nichts rechtfertigen.“ Viel werde in die Qualifikation der 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert und manchmal gebe auch „das Leben“ vor, was die richtige Geldanlage sei: „Nach 30 Jahren hatten wir Gelegenheit das Hotel Detmolder Hof wieder in Familienbesitz zu überführen“, berichtet Renate Strate. Aufs Geradewohl wurde die Berliner Stil-Ikone Anna Marie Jagdfeld kontaktiert, die bald statt in Berlin („Adlon“) in Lippe tätig wurde. „Heute sprechen wir von einem 4-Sterne Haus mit 13 Suiten“, sagt Friederike Strate stolz. „Und das ist einfach schön für Detmold.“
www.brauerei-strate.de
