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Schwarzer Zwerg mit Goldener Nase
Datum: 24. Juli 2010
Bericht von: MC Ulm/Neu-Ulm

Gemeint damit ist der „Plagiarius“, gestiftet vom Designer Rido Busse im Jahr 1977 als Negativ-Auszeichnung für Produkt-Piraterie. Was aber hat diese „Trophäe“ mit Ulm zu tun?
In der Bauhaus-Tradition gründeten Inge Scholl, die Schwester von Sophie Scholl sowie der Gestalter Otl Aicher in Ulm eine Gestaltungs-Hochschule, gebaut vom Schweizer Architekten Max Bill, die bis zu ihrem Ende im Jahr 1968 das deutsche Design entscheidend geprägt hat. Noch heute gibt es in der Region eine hohe Dichte an Design-Schmieden, wie z. B. Busse-Design und Werbe-Agenturen. Und so präsentierten IHK und Marketing-Club Ulm/Neu-Ulm in einer eindrucksvollen Ausstellung jede Menge „prämierte“ Plagiate, Kopien und Fälschungen und hängten eine gut besuchte Veranstaltungsreihe an das spannende Thema.
Bei der Auftaktveranstaltung im Ulmer Haus der Wirtschaft betonte Clubpräsident Wolfgang Röhr den immensen Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Plagiate, der bei über 25 Milliarden Euro liegt. Bernd Radtke, Geschäftsführer der IHK und Veranstaltungs-Organisator wies zurecht auf die hohe Bedeutung von „Marken“ hin, die oft über Jahre und Jahrzehnte mühsam aufgebaut werden. Produktpiraterie sei eben kein Kavaliersdelikt und müsse konsequent verfolgt werden. Wie dies möglich ist, das zeigte an einem weiteren Abend der Geschäftsführende Vorstand des Ulm/Neu-Ulmer Clubs Armin Weidt, der als Anwalt und Spezialist für Markenrecht den Alltag kennt. Es lohne sich für die Markenbesitzer, Bescheid zu wissen und im Bedarfsfall z. B. den Zoll aktiv werden zu lassen, der dann Waren sofort aus dem Verkehr zieht. Außerdem gehe es nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch um den Imageschaden, wenn solch ein Plagiat beispielsweise nicht funktioniert. Genau das hatte Rido Busse seinerzeit auf die Palme und dann auf die Idee des Plagiarius gebracht. Die Kopie einer Wandwaage der Firma Soehnle funktionierte schlicht und einfach nicht und schadete dem Original damit doppelt! Launig führte Prof. Rido Busse, einer der Grandseigneurs des deutschen Designs, durch die jüngere Geschichte seines Sprösslings „Plagiarius“. Da nütze es auch nichts, wenn es die Chinesen als Ehre betrachten, einem großem Meister nachzueifern, sprich, ihn zu kopieren. Übrigens gebe es solche Piraten auch bei uns!
Die Marken-Werbung wurde von zwei kompetenten Agenturchefs beleuchtet. Unterhaltend und video-gespickt gab Frank Dopheide von der Düsseldorfer Agentur Grey International einen Überblick über Marken. Er fokussierte seine Betrachtungen auch auf die Kultmarke Apple und deren Ziel, den Kunden zum Teil der Marke zu machen. Ronald Focken von Serviceplan, einer der wenigen inhabergeführten Top-Agenturen, hatte interessante Zahlen zum Werbemarkt mitgebracht. Er wies darauf hin, daß gerade im „Tief“ durch Werbe-Spendings Marktanteile erobert werden könnten, die sich dann im „Hoch“ in Ruhe verteidigen lassen. Der Blick fiel auch auf das brandneue I-Pad, dem Focken eine große Zukunft voraussagte. „…wenn meine 6-jährige Tochter damit nach einer Stunde umgehen kann, dann lassen sich mit dieser Technik noch ganz andere Zielgruppen erreichen!“ Und somit dürften die Plagiatoren in den Startlöchern stehen.
Aber wer weiß, vielleicht schlägt das Pendel auch einmal in die andere Richtung aus. Zugunsten jener, die zwar nicht ganz so schick aber dafür weniger die Hand aufhalten, wenn fremde Infos über den Screen laufen. So gesehen, sind einige Methoden gar nicht so weit voneinander entfernt: Kopierer, Piraten, Wegelagerer…? Die Übergänge können durchaus fließend sein. Da war es hilfreich, daß Christine Lacroix, die Geschäftsführerin von Plagiarius e. V. die Ziele des Vereins ausführlich präsentierte und systematisch aufzeigte, wie die Branche der Kopierer und Fälscher funktionieren.
